Geschichtliche Entwicklung

Die Entstehung einer evangelischen Kirchengemeinde in Gräfelfing

Am Rande der Großstadt München sind seit den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts zahlreiche evangelische Kirchengemeinden entstanden. Das Würmtal hat durch seine bevorzugte Wohnlage besonderen Anteil an dieser Entwicklung. Um 1900 wurden die wenigen weit verstreut wohnenden evangelischen Familien noch durch Reiseprediger von Pasing aus versorgt. Nach dem 1. Weltkrieg gründete Kirchenrat Theobald Trenkle in Gräfelfing den Evangelischen Verein Planegg-Gräfelfing. Als erster evangelischer Pfarrer wirkte in diesem Gebiet seit 1924 Vikar Ludwig Bullemer. 1926 wurde die Waldkirche in Planegg von Theodor Fischer gebaut. Die 1929 neu gegründete eigene Kirchengemeinde Planegg mit Krailling und Gräfelfing-Lochham übernahm Pfarrer Karl Helmes. Er prägte sie über Jahrzehnte.

Der Bau der Michaelskirche in Lochham
Im Jahre 1921 erhielt die katholische Kirchengemeinde Gräfelfing von der politischen Gemeinde ein Grundstück zum Zwecke eines Kirchenbaus geschenkt. Darauf taten sich evangelische Gemeindeglieder von Lochham und Gräfelfing zusammen, gründeten 1927 einen Kirchenbau-Verein und bekamen 1928 für diesen Zweck ebenfalls ein Grundstück.

In über 20 Jahren stiller Kleinarbeit des Vereins sammelten Gemeindeglieder und Konfirmanden monatlich kleinste Beträge für den Kirchbau zusammen. Viele, die heute nicht mehr leben, müssten genannt werden, um das Wachsen der Lochhamer Gemeinde zu würdigen. Eine aktive Rolle spielte Frau Frieda Müller im Gstaller Weg. Jahrelang hielt sie ihr Haus für Bibelstunden, Adventsfeiern, Konfirmandenunterricht und sonstige Veranstaltungen offen.

Durch den großen Zustrom von Ausgebombten und Flüchtlingen nach dem 2. Weltkrieg ergab sich die Notwendigkeit einer zweiten Pfarrstelle, Sie wurde in Lochham errichtet und 1948 Pfarrer Oskar Anton übertragen. 1950 konnte die dortige evangelische Kirche eingeweiht werden.

Es war ein Festtag für die Gemeinde, als die Schlüsselübergabe durch die Architekten Stierhof und Forster erfolgte. Die Festansprachen hielten Oberkirchenrat Oscar Daumiller und Dekan Breit, Pfarrer Helmes übernahm die Liturgie, Pfarrer Anton die Predigt.

Die nun erbaute kleine Kirche hieß Evangelisch-Lutherische Kirche Lochham; die Namengebung nach dem Namen des Erzengels Michael erfolgte sehr viel später. Heute gehört sie zum zweiten Sprengel der evangelischen Kirchengemeinde Gräfelfing.

Der Bau der Friedenskirche in Gräfelfing
Infolge des starken Anwachsens der Bevölkerung in den folgenden Jahren wurde 1962 für Gräfelfing, Planegg-Ost und Martinsried eine dritte Pfarrstelle geschaffen, auf die Pfarrer Wilhelm Hoffmann ernannt wurde. Durch das Entgegenkommen des Erzbischöflichen Ordinariats München und die freundliche Befürwortung durch Herrn Dekan Fuchs von der katholischen Gemeinde Gräfelfing konnte der evangelische Gottesdienst von 1962 bis 1970 in der alten katholischen Stephanuskirche gefeiert werden. In dem 1923 erbauten Wohnhaus Planegger Straße 16 wurden die Gemeinde- und Jugendräume sowie die Pfarrer- und Mesnerwohnung eingerichtet.

Schon 1962 wurde im Anschluss an das Anwesen des Gemeindehauses Planegger Straße 16 ein Bauplatz für eine Kirche in Gräfelfing erworben. Die Ausführung eines bereits 1965 gefertigten Entwurfes für einen Kirchbau stellte der Landeskirchenrat jedoch aus finanziellen Gründen mehrmals zurück.

Ende 1969 wurde dann endlich der Bau nach einem völlig neuen Plan genehmigt. Dem Architekten, Herrn Theodor Steinhauser, Gräfelfing, und seinem Mitarbeiter, Herrn Götz von Ranke, ging es dabei besonders um eine gute Eingliederung in die landschaftlich schöne Umgebung am Würmufer. Sie haben einen Raum geschaffen, der der Gemeinde zur Sammlung um Wort und Sakrament dient und auch zum Gespräch geeignet ist. Er soll uns aber zugleich an die Aufgabe der Christen in der Welt erinnern. Deshalb betont eine Fensterwand deutlich die Verbindung nach draußen.

Am Sonntag, den 28. Juni 1970, konnte die Grundsteinlegung durch Herrn Dekan Ganzert, Weilheim, vorgenommen werden. Das Richtfest wurde am 15. Oktober 1970 gehalten. Die Einweihung fand am 9. Mai 1971 statt.

Entwicklung der beiden Gemeindeteile zu einer Kirchengemeinde
Ab 1970 bildete der bisherige dritte Planegger Pfarrsprengel (Gräfelfing) eine eigene Kirchengemeinde Gräfelfing mit Planegg-Ost und Martinsried. Sie wählte am 8. November 1970 ihren ersten Kirchenvorstand. Gleichzeitig wurde der Kindergarten, die heutige "Spielkiste" Planegg, die zuvor zu der "Muttergemeinde" Waldkirche Planegg gehörte, übernommen.

Der Gemeindeteil Lochham blieb (noch) bei der Waldkirche Planegg als deren zweiter Sprengel, übernahm aber den "Evangelischen Krankenpflegeverein", heute: Diakonieverein, in seine Verantwortung. Der schwerkranke Pfarrer Anton wurde 1976 pensioniert. 1978 übernahm Pfarrer Wolfgang Hofmann die vakante Pfarrstelle. Er betrieb tatkräftig die Erweiterung des 1950 als Notkirche entstandenen Kirchenbaus; zugleich mit der Wendung der Kirchenachse um 90 Grad wurden größere Gemeinderäume im Untergeschoss gewonnen. Architekt der sehr gelungenen Maßnahmen wie auch schon der neuen Pfarrwohnung war Theodor Steinhauser.

In Gräfelfing war ebenfalls 1978 Gerhard Althaus als neuer Gemeindepfarrer angetreten.

1979 kam es schon wieder zu einer einschneidenden Änderung für beide Gemeindeteile: Der Gemeindeteil Lochham wurde nun von der Kirchengemeinde Planegg abgetrennt und als zweiter Sprengel der Kirchengemeinde Gräfelfing angeschlossen. Gemeinsame Kirchenvorsteherseminare und Gemeindefreizeiten wurden abgehalten, ökumenische Gottesdienste mit den jeweiligen katholischen Partnern initiiert, die Feier der Osternacht eingeführt und Partnerschaften mit mecklenburgischen Kirchengemeinden entwickelt.

1980 wurde ebenfalls vom Architekten Steinhauser das Jugend- und Gemeindehaus gebaut. Im Ortsteil Martinsried konnte 1985 das Dietrich-Bonhoeffer-Haus als Gemeindestützpunkt für den Ortsteil Martinsried eingeweiht werden.

In Lochham gestaltete der Künstler Helmut Ammann die Altarwand der Kirche. In Mosaiktechnik ist der Kampf des Erzengels Michael mit dem Drachen dargestellt. Zu dem Bildnis passend wurden Altar, Kanzel, Taufstein und an der Wand der Osterleuchter gestaltet. Im Oktober 1989 waren endlich genügend Spendengelder für eine neue Orgel gesammelt, so dass der Orgelbauer Schingnitz eine konzerttaugliche Orgel einbauen konnte.

Im Herbst 1989 begann an der Friedenskirche Gräfelfing Pfarrer Dr. Jürgen Lorz seinen Dienst. In seine Zeit fällt der Bau eines zweiten kirchengemeindlichen Kindergartens in Martinsried, die "Spielkiste" Martinsried. Ab 1995 teilte sich das Pfarrersehepaar Manuel und Bia Ritter die erste Pfarrstelle der Kirchengemeinde.

Nach fast 25-jähriger Tätigkeit im Lochhamer Gemeindeteil wurde Pfarrer Hofmann Ende Juli 2003 in den Ruhestand verabschiedet. Nach einjähriger Vakanz begann am 1. August 2004 mit der Einführung von Pfarrerin Elke Eilert die dritte Pfarrersära in der Michaelskirche.

Von Oktober 2006 bis September 2008 versorgte Pfarrerin Bia Ritter alleine die erste Pfarrstelle. Nach wieder einjähriger Valkanz übernahm im Oktober 2009 Pfarrer Walter Ziermann diese Aufgabe.

Ende Oktober 2014 verließ Pfarrerin Eilert die evangelische Kirchengemeinde, im Juni 2015 übernahm Pfarrer Bernd Reichert die zweite Pfarrstelle.